Künstlerische Leitung

Samuel Nuñez erhielt seine Ausbildung im Fach Theater 1995-1999 an den Schulen "Club de Teatro" und "Escuela Teatro Imagen" in Santiago de Chile. Noch während seiner Ausbildung begann er, an seiner Schule die Fächer "Bewegung" und "Zeitgenössischen Tanz" zu unterrichten und wurde Mitbegründer der Theaterkompanie "Compañia Crematorio de Emociones". Die Kompanie erforschte die Möglichkeiten der tatsächlichen Verwirklichung eines grenzüberschreitenden Theaters im Sinne Antonin Artauds. Sie studierte insbesondere die Körpersprache, menschliche Emotionalität und ihre Verwirklichung im Theater anhand der Arbeiten von Stanislavski, Grotowski, Brook, Barba und Meyerhold. Im Bereich der Theateranthropologie erforschte sie Traditionen wie die des Noh- und Kathakali-Theaters, des Butoh-Tanzes u.a. Das Schaffen der Kompanie stieß in Chile auf große Resonanz - mit dem Stück “Demutilación 4” erhielt die Gruppe den “FONDART” (Fondo nacionál de Arte). Im Anschluss beschäftigte sich Samuel Nuñez intensiv mit dem zeitgenössischen Tanz, zunächst als Assistent von Nelson Aviles, Choreograph und Leiter der Tanzkompanie “La Vitrina”. Seine Forschung im Bereich der Interpretation entwickelte sich weiter und bewegte sich nun nicht mehr vorrangig auf der Ebene der Emotionen, sondern der des körperlichen Ausdrucks im Ganzen. Die Entdeckung der Technik “Alba Emoting” der Neurologin Dr. Susana Bloch gab der Arbeit eine entscheidende Wendung. Samuel lernte die Technik und ihre Anwendung im Theater im Rahmen seiner Schauspiel-Ausbildung bei Andrés Céspedes. Beim Alba Emoting reproduziert der Schauspieler die respiratorischen und muskulären Parameter einer Emotion, um die echte Emotion zu erreichen, und erzielt damit eine beeindruckende Ebene der schauspielerischen Darstellung, mit einer vollständigen, absolut kontrollierten und präzisen Handhabung der Emotionen.
Diese Technik - ursprünglich als Therapiemethode entwickelt - kombinierte Samuel Nuñez mit anderen aus Tanz, Theater, Psychologie und bildender Kunst. So entstand der Ansatz des "Integralen Theaters", ein Mittel für die Ausbildung von Schauspielern als ganze Künstler, der seine Basis nicht darin sieht, den Schauspieler Techniken, Kniffe und Methoden zu lehren, sondern vor allem darin, ihn sehr genau mit seinem Instrument, dem Körper, vertraut zu machen und ihn auf körperlicher, geistiger und emotionaler Ebene von all jenem zu befreien, das ihn in seinem natürlichen Ausdrucksvermögen behindert.
In Barcelona und später Berlin begann Samuel Nuñez, die Ergebnisse des jahrelangen Forschens in der Arbeit mit seinen Schülern umzusetzen. Diese erreichten, z.T. ohne Vorkenntnisse, in kurzer Zeit eine große Intensität und Professionalität ihres Spiels. Einige von ihnen sind heute Mitglieder der Theaterkompanie unter Leitung von Samuel Nuñez in Berlin.

 

Samuel Nuñez 1997 in "Demutilación 4"

   

Antonin Artaud

Jerzy Grotowski
Konstantin Stanislavski
Eugenio Barba
Peter Brook